Mittwoch, 1. Februar 2017

Termine und Aktuelles Februar 2017

05.02. 10.30 Uhr Hausgottesdienste

12.02. 10.30 Uhr LKG Gottesdienst mit anschl. Essen (Predigt Heinz Trompeter, Missionsdienst e.V., Thema: "Geduld")


19.02. 10.30 Uhr Arche Gottesdienst (Predigt Christiane Schönberger, JG St. Paul)


26.02. kein Gottesdienst




LKG = Landeskirchliche Gemeinschaft, Gebhardtstraße 19
Arche = Christlicher Kindergarten Arche, Theaterstraße 50

Dienstag, 31. Januar 2017

Predigt von Norbert Wohlrab zur Jahreslosung 2017 (22.01.2017)

Jahreslosung 2017

Traditionsgemäß werde ich zum Jahresanfang über die Jahreslosung predigen. Sie lautet: 


„Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“ (Hes. 36,26) 

 
Betrachten wir den Vers zunächst einmal in seinem Zusammenhang.
 

24 „Und ich werde euch aus den Nationen holen und euch aus allen Ländern sammeln und euch in euer Land bringen.
25 Und ich werde reines Wasser auf euch sprengen, und ihr werdet rein sein; von all euren Unreinheiten und von all euren Götzen werde ich euch reinigen.
26 Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.
27 Und ich werde meinen Geist in euer Inneres geben; und ich werde machen, dass ihr in meinen Ordnungen lebt und meine Rechtsbestimmungen bewahrt und tut.
28 Und ihr werdet in dem Land wohnen, dass ich euren Vätern gegeben habe, und ihr werdet mir zum Volk, und ich, ich werde euch zum Gott sein.
29 Und ich werde euch befreien von all euren Unreinheiten.“ (Hes.36, 24-29a Rev. Elb.)
 


Wir haben es hier mit prophetischen Aussagen des Hesekiel zu tun. Und wie so oft im AT, sind die Prophetien mehrschichtig, d.h. sie sind auf mehrere Zeitebenen in der Zukunft bezogen.

Was war die Situation? Israel hat - wie so oft in seiner Geschichte - die Wege des Herrn verlassen. Es hat nicht mehr nach seinen Geboten gelebt, hat fremde Götter angebetet, hat Menschenopfer gebracht, den Tempel entweiht und andere Verbrechen getan, wie soziale Unterdrückung, Raub, Inzest usw. Es hat nicht auf die Warnungen und Aufrufe zur Umkehr durch die Propheten gehört. Daher wurde Israel 597 v. Chr. von den Babyloniern erobert. Zunächst wurde König Jojachin und die führende Elite nach Babylon verschleppt - unter ihnen auch der Prophet Hefekiel - und eine Marionettenregierung in Jerusalem eingesetzt. Als diese dann zehn Jahre später gegen Babylon aufbegehrte, wurde Jerusalem zerstört und das Volk Israel 586 v. Chr. in die Gefangenschaft nach Babylon deportiert.

Hesekiel war der Prophet im Exil. Dort im Exil verkündete er dem Volk die Hoffnungsbotschaft, dass sie in die Heimat zurückkehren werden. Und tatsächlich als im Jahre 539 v. Chr. Babylon von den Persern unter Kyros II. erobert wird, können sie in die Heimat zurückkehren und unter Nehemia und Serubbabel wird Jerusalem neu aufgebaut. Nachzulesen in den Büchern Esra und Nehemia.

Dort erfüllt sich der erste Teil der Verheißung. Das Volk Israel kehrt zurück in sein Land. Später wiederholt sich die Geschichte. Jerusalem wird unter den Römern erneut zerstört und das Volk wieder zerstreut um dann im Jahr 1948 wieder in seine Heimat zurückzukehren. Und die Verheißung aus Hesekiel erfüllt sich ein zweites Mal.

Soweit die geographische Wiederherstellung.

Es gibt eine Geschichte von Friedrich dem Großen, der einmal seinen Leibarzt sarkastisch gefragt haben soll: „Nenn´ er mir einen Gottesbeweis, wenn er kann!“ Der soll eine kurze Antwort gegeben haben: „Die Juden - Majestät.“

Wie viele Völker gibt es, die komplett vernichtet wurden? Denken wir nur an die Indianer und Indios in Amerika oder an die Armenier, von denen nur noch wenige übrig sind oder an zahlreiche Stämme in Afrika, die ausradiert wurden.
Wie viele gibt es, die seit Jahrhunderten kein eigens Land haben, wie bspw. die Kurden, eines der ältesten Völker der Welt?
Das Volk Israel dagegen hat nach mehreren Exilen, nach Jahrhunderten der Zerstreuung in alle Welt, nach der Massenvernichtung im Holocaust, nach zahlreichen Angriffen von seinen arabischen Nachbarn usw. immer noch bzw. wieder seinen Platz auf der Landkarte und es wächst und gedeiht.

Aber das Volk Israel soll ja auch innerlich erneuert werden. 
Zunächst spricht Hesekiel von der Reinigung mit Wasser. Dies ist ein Bild, dass den kultischen Vorgaben des AT entspricht. Die Hohepriester, die ja als einziges Zugang zum Allerheiligsten im Tempel hatten, mussten sich zunächst rituell reinigen um Gott begegnen zu können.

„Wenn sie in das Zelt der Begegnung hineingehen, sollen sie sich mit Wasser waschen, damit sie nicht sterben. Oder wenn sie an den Altar herantreten zum Dienst, um für den Herrn ein Feueropfer als Rauch aufsteigen zu lassen, dann sollen sie ihre Hände und ihre Füße waschen, damit sie nicht sterben. Und das soll für sie eine ewige Ordnung sein.“ (2. Mose 30, 20.21a Rev. Elb.)
 

Der Mensch ist unrein und kann Gott ohne (diese wohl symbolische) Reinigung von seiner Unreinheit nicht begegnen. Aber hier ist es Gott, der die Reinigung vollzieht und nicht der Mensch. Das ist jetzt das völlig Neue. Keine Rituale, keine Gesetze, keine Selbsterlösung. Gott allein reinigt und rettet. Christus allein. Solos Christus. Allein aus Gnade. Sola Gratia. Das passt zum Reformationsjubiläum.

„so lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in voller Gewissheit des Glaubens, die Herzen besprengt und damit gereinigt vom bösen Gewissen und den Leib gewaschen mit reinem Wasser.“ (Hebr. 10,22 Rev. Elb.)

Aber es geht noch weiter. Gott schenkt nicht nur die Reinigung. Das wäre ja zum Zwecke der Erlösung schon völlig ausreichend. Er setzt noch einen drauf und schenkt noch eine Herztransplantation.

„Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.“ (V. 26)

Das Herz des Menschen, im biblischen Sinne der Sitz des Lebens, des Wesens, des Charakters, das Zentrum des Denkens, Wollens und Fühlens ist schlecht.

„Denn aus dem Herzen kommen hervor böse Gedanken: Mord, Ehebruch, Unzucht, Dieberei, falsche Zeugnisse, Lästerungen“ (Mt. 15,19 Rev. Elb.)

So schaut´s aus. Das ist die göttliche Einschätzung des menschlichen Wesens.
Hier hilft keine Maniküre, keine äußerliche Reinigung, kein Hände und Füße waschen, keine neue Frisur, kein neuer Anzug. Hier hilft kein neuer Job und kein neues Auto. Und auch keine neue Frau und kein neuer Mann. Auch keine neue Religion und kein neuer Meditationsweg. Auch kein Jakobsweg und keine andere Ernährung. Keine noch so guten Vorsätze. Nicht einmal ein Präsidentenamt. Nichts, was der Mensch irgendwie tun könnte, würde an seinem Grundwesen etwas ändern.

„denn das Sinnen des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an“ (1. Mose 8,21b Rev. Elb.)

Es langt also nicht aus die Herzenshaltung zu ändern. Zuerst bedarf es eines neuen Herzens. Die Prophetie des Hesekiel verbindet dies mit einem neuen Geist. Ein neues Herz und ein neuer Geist.

Die Erfüllung dieser Verheißung begann für Israel und für alle Menschen am ersten Pfingsten. Durch die Hinwendung zu Christus und den Empfang des Heiligen Geistes vollzog sich diese Herztransplantation.

„Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Denn euch gilt die Verheißung und euren Kindern und allen, die in der Ferne sind, so viele der Herr, unser Gott, berufen wird.“ (Apg. 2, 38.39 Rev. Elb.)
 

Tut Buße. Also stimmt mit Gott überein, dass Ihr Sünder seid und Euch nicht selbst erlösen könnt. Lasst Euch taufen auf den Namen Jesu. Drückt dadurch aus, dass Ihr Euer Vertrauen auf Erlösung einzig und allein auf Jesus Christus setzt. Solus Christus. Und dann empfangt den Heiligen Geist. Und dies ist die Verheißung, die an verschiedenen Stellen im AT angekündigt wurde. Hesekiel, Joel, Jeremia etc.

Und dieser Geist ist es, der in uns die Umgestaltung unseres Wesens bewirkt. Der - bildlich gesprochen - das steinerne Herz entfernt und ein fleischernes einsetzt. Der uns den Wunsch und den Willen gibt jesusgemäß zu leben. Diese Veränderung ist so gewaltig, dass die Bibel von einer neuen Schöpfung, einer neuen Kreatur, einem neuen Menschen spricht. (2. Kor. 5,17)

„Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht der Herr: ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben. Und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein. Dann wird nicht mehr einer seinen Nächsten oder seinen Bruder lehren und sagen: Erkennt den Herrn! Denn sie alle werden mich erkennen von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Größten, spricht der Herr. Denn ich werde ihre Schuld vergeben und an ihre Sünde nicht mehr denken.“ (Jer. 31, 33.34 Rev. Elb.)

Für das Volk Israel ist diese Verheißung erst punktuell erfüllt, da sie Jesus als Messias ja abgelehnt haben. Nur die an Christus glaubenden Juden erleben sie schon. Aber wir sind schon mittendrin.

„denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der gegeben worden ist.“ (Röm. 5,5b Rev. Elb.)

Wir sind nun in der komfortablen Situation, dass wir durch den in uns wohnenden Geist eine Verbindung zum Vater haben, dass wir Gott erkennen, mehr und mehr erkennen und dadurch seinen Willen teilen.

Nicht wie Marionetten, sondern wie Prinzen und Prinzessinnen. Wir tragen seine DNA in uns. Und jetzt geschieht das Erstaunliche: wir brauchen seine Gebote eigentlich gar nicht mehr.

„indem er dies weiß, dass für einen Gerechten das Gesetz nicht bestimmt ist, sondern für Gesetzlose und Widerspenstige, für Gottlose und Sünder, für Heillose und Unheilige, Vatermörder und Muttermörder, Mörder, Unzüchtige, Knabenschänder, Menschenräuber, Lügner, Meineidige…“ (1. Tim. 1, 8b-10 Rev. Elb.)

Diejenigen, die Gott nicht kennen, brauchen das Gesetz, damit sie eine moralisch-ethisch-soziale Orientierung haben, diejenigen, die den Heiligen Geist in ihrem Herzen haben, leben gemäß der DNA Gottes. Wenn Du ein Elektroauto hast, dann brauchst Du kein Benzin mehr.

Natürlich sind das alles Wachstumsprozesse. Die Früchte des Geistes, die Früchte der Liebe wachsen in uns. Und wenn jmd. frisch dabei ist sein Leben mit Jesus zu leben, ist es hilfreich eine ethisch-moralische Instanz außerhalb von sich selbst zu haben, an der man sich orientieren kann. Das sagt Paulus auch vorher:

„Das Gesetz ist, wie wir alles wissen, gut und nützlich – vorausgesetzt, man wendet es in der ihm angemessenen Weise an.“ (1. Tim. 1,8 NGÜ)
 

Also nicht als Heilsweg, sondern als Hilfestellung, als Orientierungshilfe auf dem Weg der Liebe. Denn wir wissen, wie es Luther so schön ausdrückte (wenn auch theologisch nicht korrekt, weil es eigentlich um das schwache Fleisch geht und nicht um den alten Adam, da dieser ja mit Jesus gekreuzigt wurde):

„Der alte Adam in uns soll ersäuft werden. Nimm dich aber in acht, das Aas kann schwimmen!“ (Luther)
 

Wir haben ein neues Herz. Ein Herz der Liebe. Einen neuen Geist. Den Heiligen Geist. Ohne dies alles wäre es für uns sehr schwierig einander zu lieben, den Nächsten zu lieben, Gott zu lieben. So ist es uns möglich.

Das befreit uns nicht davor auf unser Herz zu achten. Manchmal ziehen dunkle Wolken darüber. Manchmal wird uns Gift injiziert. Manchmal injizieren wir es sogar selbst.

Daher benötigen wir manchmal Seelsorge und Gebet, manchmal innere Heilung und Befreiung, manchmal Ermutigung, manchmal brauchen wir einfach nur einander. Wäre dies nicht so, wäre das NT nicht voll von Ratschlägen und Hilfestellungen:

Ermahnt einander, ermutigt einander, tröstet einander, tragt einander die Lasten, lacht miteinander, weint miteinander.

„Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden-„ (2. Kor. 5,17 Rev. Elb.)

Wenn wir zu Christus gehören, sind wir neue Menschen, haben ein neues Herz, haben seinen Geist. Dies sind Gottes Zusagen. Dies gilt auch, wenn es im Alltag einmal anders aussieht. Dann gilt:

„dass, wenn das Herz uns verurteilt, Gott größer ist als unser Herz und alles kennt.“ (1. Joh. 3,20 Rev. Elb.)

AMEN.

Predigt von Norbert Wohlrab zum Beginn der Allianz-Gebetswoche 2017 (08.01.2017)

Christus allein - der einzige Weg


„Christus allein - der einzige Weg“ so lautet der Einstieg in die diesjährige Allianz-Gebetswoche.
Dieser Ausspruch „Christus allein“ „solus Christus“ ist ja jetzt kein Bibelzitat, sondern eine der vier Kernaussagen der reformatorischen Theologie, an denen wir uns in dieser Woche entlang beten wollen.
Und es gibt sehr viele Verse und Aussagen des NT, die man damit in Zusammenhang bringen kann und der erste Vers dazu, der einem da wohl sofort einfällt, ist auch genau derjenige aus dem Johannes-Evangelium, der für den heutigen Einstieg vorgegeben ist:

„Jesus spricht (zu ihm): Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Joh. 14,6 Luther 2017)


Eigentlich ist damit alles gesagt. Das ist ja so eindeutig und klar formuliert. Niemand, also keiner, kommt zum Vater als nur durch Jesus.

Da braucht man nicht groß drüber diskutieren oder um den heißen Brei herumreden. Da nützt auch keine Toleranz oder irgendwelche Diplomatie etwas. Das ist das Alleinstellungsmerkmal unseres christlichen Glaubens. Das ist das für uns entscheidende Kriterium, durch das sich unser Glauben von allen anderen religiösen Angeboten unterscheidet.

Nur in mir liegt der Weg zum Vater, sagt Jesus selbst. Das ist unser Ausschlusskriterium. Das ist der Punkt, wo Juden und Muslime ein Problem haben.
Denn für die einen ist Jesus nur ein Scharlatan, ein Spinner oder Teufel oder ein Fresser und Weinsäufer und für die anderen halt nur irgendein Prophet.
Das ist der Punkt, wo andere Versuche einen Weg zu Gott ohne Jesus zu finden, keine gemeinsame Basis mit unserem christlichen Glauben bekommen können. Ohne Jesus geht nichts. Nur er ist der Weg!

Daher sagt Jesus auch am Anfang dieses Abschnitts: „Lasst Euch nicht verwirren!“ Egal, was andere sagen. „Glaubt an Gott und glaubt an mich!“

„Ich bin der Weg!“ Jesus sagt nicht: „Ich kenn den Weg!“ oder „Ich zeige Euch den Weg!“ oder „Ich werde mal der Weg gewesen sein!“ Er sagt: „Ich selbst bin der Weg!“

Er sagt auch nicht: „Der Weg ist das Ziel!“ Wir kennen ja alle diese weise Aussage von Konfuzius. Und sicher, es gibt viele Bedingungen und Situationen, unter denen sie ihre Richtigkeit hat.
Wenn man z.B. mit Freunden spazieren oder wandern gehe, dann kommt es eigentlich in erster Linie nicht darauf an das Ziel zu erreichen, sondern dann ist die gemeinsame Zeit und das gemeinsame Erleben der Natur auf dem Weg und das Zusammensein viel wichtiger als das Ankommen. Eigentlich. Theoretisch. Für mich gehört dann schon immer der Gipfel auch dazu.

Ich bin ja so ein passionierter Flugverweigerer. Nicht aus irgendwelchen Gründen des Umweltschutzes, sondern ich mag´s einfach nicht. Bisher bin ich auch überall ohne Fliegen ganz gut hingekommen. Sogar nach Afrika. (An meiner ersten USA-Reise arbeite ich noch.) Aber innerhalb von Europa ist das ja sowieso kein Problem. Ich liebe es an die südlichsten Zipfel des Kontinents zu fahren. Sei es jetzt nach Gibraltar, auf die Peloponnes oder nach Apulien. Ich liebe es Tausende Kilometer mit dem Auto zu düsen und zu erleben wie sich die Landschaft, das Klima, die Kultur langsam verändert. Wenn der Asphalt kocht, die Luft flirrt, der Gestank nach Benzin usw. Einfach herrlich- Das gehört für mich einfach zum Urlaub dazu. Da ist der Weg für mich wichtig. Da ist der Weg für mich schon Urlaub. Aber das Ziel brauch ich dennoch auch noch dazu! Sonst haut es mit dem Entspannungseffekt des Urlaubs dann doch nicht so lange hin.

Und in unserem Leben ist es ja auch so. Wir brauchen Weg und Ziel. Das Leben besteht aus verschiedenen kleinen und großen Etappen, an denen wir reifen und lernen und wachsen. Schwierigkeiten und Erfolge, die uns formen und verändern, unsere Persönlichkeit gestalten. Ohne solch einen Weg würden wir ja einfach nur altern.

Und wenn wir jetzt zum Bibelvers zurück kommen, wenn Jesus also sagt, dass er der Weg ist, dann heißt es ja für uns, mit ihm und auf ihm und in ihm und durch ihn diesen Weg zu bestreiten. In ihm zu bleiben. Mit allen kleinen und großen Zielen und Herausforderungen des Weges, des Alltags.

Aber dann endet der Weg nicht einfach so mit dem Tod oder als endloser Rundweg, sondern es gibt ein Ziel: den Vater. Ich bin der Weg zum Vater. Und hier kann man die Erlösung darunter verstehen - nur durch Jesus gibt es Erlösung -, aber auch ganz lokal das verortete Ziel unseres Lebens: eine Wohnung beim Vater!

„Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn nicht, so hätte ich es euch gesagt. Ich gehe hin, um euch eine Stätte zu bereiten.“ (Joh. 14,2 Schlachter)

Das Ziel unseres Weges ist die Stätte, die Wohnung beim Vater. Darauf steuern wir hin. Und dahin gibt es nur den einen Weg: Jesus!

Ich möchte noch einen zweiten Aspekt von „Christus allein“ erwähnen.

„Jesus hat nur ein einziges Mal ein Opfer dargebracht, nämlich sich selbst, und dieses Opfer gilt für immer.“ (Hebr. 7,27b NGÜ)

Es war Jesus einmaliges Opfer, das uns für immer gilt. Christus allein - das immer gültige Opfer! Ich brauche nichts dazu tun, ich kann nichts dazu tun, ich darf nichts hinzufügen.

Eigentlich ist dies die Grundlage für eine entspannte und freudige Nachfolge. Er hat alles getan. Nur er - Christus allein! Und ich bin frei von allen Zwängen und Gesetzen und Müssen. Frei um aus der Gnade heraus jesusgemäß in Liebe zu leben.

„Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“ (Mt. 11,7 Luther 2017)

sagt Jesus.

Nur leider hat es der Christenheit von Anfang an gefallen sich selbst und einander Lasten aufzulegen. Das ging los mit dem Judaismus und den Querelen um Beschneidung und Einhalten der Gebote des Alten Bundes über das dunkle Mittelalter und der Lebensverneinung des Pietismus bis hin zu geistlichem Missbrauch und sozialer Kontrolle in den Gemeinden der Gegenwart. Immer wieder hat das Gesetz neue Liebhaber gefunden.

Aber nichts davon brauchen wir. Weil Christus allein das allgültige Opfer gebracht hat.

„Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!…Allein seht zu, dass ihr durch die Freiheit nicht dem Fleisch Raum gebt, sondern durch die Liebe diene einer dem andern. Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort erfüllt (3. Mose 19,18): »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!« (Gal. 1.13b.15 Luther 2017)

Wir Gemeinden müssen aufpassen, dass wir den freien Zugang zu Jesus nicht durch unnötige Lasten verbarrikadieren oder die Freude an der Nachfolge beschweren. Wenn Christsein in einem freien Land zur Last wird, weil vielleicht die Gemeinde mich so sehr vereinnahmt oder kontrolliert, dass ich nicht mehr frei atmen kann, dann läuft etwas falsch! Hier heißt es wachsam zu sein.

Und noch auf einen dritten und letzten Aspekt des Christus allein, möchte ich kurz eingehen.

Bei der Weihnachtsfeier in der Heilsarmee hat mein Chef bei seiner Ansprache den Satz von Blaise Pascal, einem französischen Mathematiker und christlichen Philosophen. zitiert:  „Willst du Gott zum Lachen bringen, dann erzähl ihm von deinen Plänen.“ Im ersten Moment musste ich erstmal schlucken, aber dann musste ich doch schmunzeln. Denn, kennen wir das nicht alle?

Wir machen großartige Pläne und schmieden Visionen, im Privaten aber vor allem in der Gemeinde und vieles davon zerfällt im Nichts. Und auch von dem, was nicht zerfällt, ist noch lange nicht alles „Gold, Silber, Edelstein“ (1. Kor. 3,12).

Ich glaube heute mehr und mehr, dass viele unserer Gemeindeaufbaustrategien in diese Kategorie fallen. Damit meine ich nicht, dass wir die Hände in den Schoß legen sollen, aber durchaus etwas entspannter sein können und uns selber nicht so wichtig zu nehmen brauchen und hin und wieder über uns selbst lachen sollten, denn die Gemeinde ist seine Gemeinde. Christus allein! Und Gott ist es, der das Gedeihen schenkt (1. Kor. 3,5).

Zurück zum Anfang: Jesus sagt, nur er ist der Weg zum Vater. Das ist radikal, exklusiv und intolerant. Aber es ist auch ein wunderbares Angebot. Das ist die gute Nachricht.

AMEN.

Sonntag, 1. Januar 2017

Termine und Aktuelles Januar 2017

01.01. kein Gottesdienst

Gebetswoche der Evangelischen Allianz vom 08.01. bis 15.01.
http://www.ead.de/gebet/allianzgebetswoche/gebetswoche-2017.html 

08.01. 17.00 Uhr Eröffnungs-Gottesdienst in der Chapel, Flößaustraße 64 (Predigt Norbert Wohlrab)

Mo 09.01. 19.00 Uhr Hohe Mitte (Predigt Hermann Stecher, LKG Gehbardtstr.)
Di 10.01. 15.00 Uhr Freie Evangelische Gemeinde, Pfisterstraße 28 (Predigt Bernd Schäfer, LKG Vach)
Di 10.01. 19.00 Uhr Hardenberg-Gymnasium (Mensa) (Predigt New Generation)
Mi 11.01. 19.00 Uhr Rathaus (Sitzungssaal) (Predigt Markus Klein, LKG Rosenstr.)
Do 12.01. 18.00 Uhr Klinikum (Kapelle) (Predigt Brigitte Kloostermann, Heilsarmee)
Fr 13.01. 19.30 Uhr Landeskirchliche Gemeinschaft, Rosenstraße 5 (Predigt David Kraus, Chapel Fürth)
Sa 14.01. 09.30 Uhr Heilsarmee, Hirschenstraße 13 (Predigt Claudia König, Chapel Fürth)

 
15.01. 17.00 Uhr Abschlussgottesdienst im Gemeindehaus St. Paul (Predigt Martin Adel, St.Paul)


22.01. 10.30 Uhr Arche Gottesdienst (Predigt Norbert Wohlrab)

29.01. 10.30 Uhr LKG Gottesdienst mit anschl. Essen (Predigt Bob Lidfors, Dynamis e.V.)



LKG = Landeskirchliche Gemeinschaft, Gebhardtstraße 19
Arche = Christlicher Kindergarten Arche, Theaterstraße 50
St. Paul = Gemeindehaus, Dr.-Martin-Luther-Platz 1

Freitag, 2. Dezember 2016

Termin und Aktuelles Dezember 2016

04.12. 10.30 Uhr Hausgottesdienste

11.12. 10.30 Uhr LKG Gottesdienst mit anschl. Essen (Predigt Klaus Sparla, Vineyard Nürnberg)

18.12. kein Gottesdienst 

24.12. 15.00 Uhr Heiligabend Gottesdienst St. Paul (Predigt Hans Heidelberger)

25.12. kein Gottesdienst 



Änderungen noch möglich! 

LKG = Landeskirchliche Gemeinschaft, Gebhardtstraße 19
Arche = Christlicher Kindergarten Arche, Theaterstraße 50
St. Paul = Gemeindehaus, Dr.-Martin-Luther-Platz 1

Sonntag, 20. November 2016

Predigt von Norbert Wohlrab (20.11.16)

Warten.mp3


Warten - Lk. 12, 35-38
 

Ich wurde gebeten heute nicht über die Endzeit zu predigen. Daher gibt es keine Predigt darüber, ob Donald Trump jetzt der Antichrist ist oder nicht. Und ich nehme auch den Predigttext des heutigen Sonntages nicht als Grundlage, der wäre nämlich tatsächlich auch noch aus der Offenbarung.
Ich möchte vielmehr mit euch den Wochenvers des heutigen Ewigkeitssonntags betrachten: „Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen.“ (Lk. 12,35 Luther)

Ich möchte dazu aber auch noch die Verse 36 - 38 lesen. Eigentlich müsste ich jetzt ja die neue Lutherübersetzung hernehmen, aber mein erster Kontakt damit war gleich so niederschmetternd, dass ich das jetzt erst mal lasse. Oder haltet Ihr „übermochte“ (beim Zweikampf Jakobs am Jabbok) für eine zeitgemäßere Übersetzung als „bezwang“ oder „überwältigte“? Ist wohl eher was für Luther-Freaks
Aber wer weiß, vielleicht freunde ich mich damit ja noch an. Ich lese jetzt mal nach der Neuen Genfer Übersetzung.

 „35 »Haltet euch bereit und sorgt dafür, dass eure Lampen brennen!
36 Seid wie Diener, deren Herr auf einem Fest ist und die auf seine Rückkehr warten, damit sie ihm sofort aufmachen können, wenn er kommt und an die Tür klopft.
37 Glücklich zu preisen sind die Diener, die der Herr wach und bereit findet, wenn er kommt. Ich sage euch: Er wird sich ´einen Schurz` umbinden und sie zu Tisch bitten, und er selbst wird sie bedienen.
38 Vielleicht kommt er spät in der Nacht oder sogar erst gegen Morgen. Wenn er sie dann bereit findet – wie glücklich sind sie da zu preisen!«“ 

(Lk. 12, 35-38 NGÜ)

Welche Situation wird hier beschrieben? Ein Hausherr geht zu einem Fest. Zu einer Hochzeit. Die Knechte verriegeln in dieser Zeit das Haus, dass kein Dieb eindringen kann und alles sicher ist.

Es muss ein wohlhabender Mann sein, dieser Herr. Er hat Diener, Bedienstete, vielleicht sogar Sklaven. Es muss auch ein größeres Haus sein, vielleicht eine Villa oder ein größeres Landgut. In einer Einraumwohnung bräuchte man wohl kaum Diener. Da wäre ja auch gar kein Platz für sie.

Vielleicht ist so ähnlich wie bei Downton Abbey. Da gibt es einen Butler, Unterbutler, einen ersten Diener, einen zweiten Diener, Zofen, eine Haushälterin, eine Köchin, Küchenhilfen, einen Gärtner usw. 

Der Herr erwartet von seinen Dienern, dass sie bereit sind für seine Rückkehr. So wie wir heute selbstverständlich erwarten, dass unsere Haushaltsgeräte funktionieren, wenn wir nach Hause kommen. Dass der Kühlschrank, die Kaffeemaschine, die Waschmaschine funktionstüchtig sind, dass die Heizung läuft, der Strom fließt usw.

Die Diener sollen ihre Lenden umgürtet haben, sie sollen also ihr langes Gewand hochgebunden haben, es in den Gürtel gesteckt haben, damit sie fähig sind zum Laufen und zum Arbeiten. Sie sollen wach sein, sie sollen im Haus alles vorbereitet haben. Die Lichter sollen brennen, Reserveöl soll bereit stehen, das Bett gemacht sein, etwas zum Essen und zum Trinken vorbereitet, falls der Herr noch Hunger oder Durst hat bei seiner Heimkehr, vielleicht Wasser zum Füße waschen, ein Feuer im Ofen falls es draußen kalt ist. Vor allem aber sollen sie bereit sein um ihm unverzüglich die Tür auf zu machen, wenn er anklopft, damit sie ihm in sein Eigentum sofort einlassen können und sie sich nicht erst anziehen müssen und er draußen warten muss.

Sie wissen nicht, wann er vorhat zu kommen. Er weiß es vielleicht selber nicht. Wer weiß schon vorher wieviel Spaß man auf so einer Hochzeit hat, wie die Stimmung ist, wie der Wein schmeckt usw.
Vielleicht kommt er in der zweiten Nachwache, also zwischen neun und zwölf Uhr, vielleicht erst in der dritten, also zwischen zwölf und drei Uhr. Aber es war klar, er kommt in dieser Nacht wieder nach Hause.

Wenn man sich das so vergegenwärtigt, ist es eigentlich keine schwere Aufgabe für die Dienerschaft. Einfach mal einen Abend oder eine Nacht ein bisschen länger aufbleiben und für den Herrn alles vorbereiten. Wenn wir abends ausgehen oder Freunde besuchen, dann kommen wir auch so zwischen der zweiten und dritten Nachtwache wieder heim. So lange kann man schon durchhalten. So lange kann man auch zu Hause warten. Zur Not hilft man halt mit etwas Koffein nach.

Die Dienerschaft musste also nichts anderes machen als sonst auch, nur eben mal etwas länger durchhalten. Nur eben etwas warten. Ist eigentlich alles kein Problem. Eine überschaubare, klar abgegrenzte Aufgabe.

Warten erlebt man ja durchaus unterschiedlich. Das hängt vom Typ ab und von der Situation. Wenn ich beim Arzt im Wartezimmer sitze und mit entspannender Musik berieselt werde, stört mich das überhaupt nicht. Im Gegenteil es beruhigt mich und ich genieße es runterzufahren und zur Ruhe zu kommen. Bei meiner Frau ist das ganz anders. Wenn die irgendwo in einem Wartezimmer warten muss, bombardiert sie mich mit whatsapp-Nachrichten. Und zwar schneller als ich antworten kann. Für sie ist Warten eher Stress.
Mich nervt das Warten dagegen eher im Verkehr. Wenn vor mir die Autos mit 40 in der Stadt dahin kriechen oder auf der Autobahn minutenlang ein PKW mit 110 einen anderen mt 105 überholt und mich blockieren und dann hindern zügig an mein Ziel zu kommen. Ich will oder muss ja zu einer bestimmten Zeit an einen bestimmten Ort sein. Oder im Stau da ist Warten für mich auch unangenehm. Andere lässt das wohl wieder eher kalt und die bleiben da entspannt.
Warten dass die Kinder nachts endlich nach Hause kommen. Warten dass der Arzt endlich zurückruft und man die Diagnose erfährt. All das sind eher unangenehme Wartesituationen.

Wie mag es in dem Gleichnis für die Diener gewesen sein?  Sicherlich nicht so unangenehm. Wenn der Herr kein Tyrann war, hatten sie nichts zu befürchten und der Zeitraum war ja auch überschaubar.

Wenn wir im NT wie hier von einer Hochzeit lesen, dann denken wir vielleicht als erstes an die Hochzeit von Jesus mit der Braut Christi, der Gemeinde. Aber davon ist hier nicht die Rede. Jesus ist zwar mit dem Herrn gleichzusetzen, aber er ist selbst nur als Gast auf einer Hochzeit. Es ist nicht seine eigene.

Und auch an einer anderen Stelle zeigt sich, dass dieses Bild nicht beliebig übertragbar ist. Richtig es geht um die Wiederkunft Christ. Darum, dass wir darauf vorbereitet sein sollen. Aber für die Knechte hier war klar, ihr Herr kommt in dieser Nacht zurück.
Wäre die Option gewesen, er käme im Laufe der nächsten vierzehn Tage, hätten sie nicht alle durchgehend wach bleiben können. Das funktioniert nicht. Sie hätten sich vielleicht abgewechselt im Wachen und im Schlafen.
Wäre der Zeitpunkt der Rückkehr sogar auf Monate oder Jahre hinaus ungewiss, hätten sie noch weitere Vorkehrungen treffen müssen. Entweder hätte der Herr regelmäßig Geld schicken müssen oder sie hätten sich einen Nebenjob suchen müssen, um sich und ihre Familie versorgen zu können. Also wir sehen, wir können dieses Gleichnis nicht überstrapazieren.

Warum es hier geht, ist: Seid bereit! Lasst nicht nach im Glauben! Lasst nicht nach in der Nachfolge!

Ein paar Verse weiter wird das falsche Verhalten beschrieben:

„45 Wenn jener Diener sich aber sagt: ›Mein Herr kommt noch lange nicht!‹ und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen, während er selbst schwelgt und prasst und sich volltrinkt,
46 dann wird sein Herr an einem Tag kommen, an dem er ihn nicht erwartet, und zu einem Zeitpunkt, an dem er es nicht vermutet. Er wird den Diener in Stücke hauen lassen und ihm dasselbe Los bereiten wie den Ungläubigen.«“ (V.45.46 NGÜ)


Hier denkt sich der Diener: Mein Herr kommt ohnehin nicht so schnell. Jetzt lass ich die Sau raus und mach was ich will. Dieses Verhalten wird nicht belohnt werden.

Nicht nachlassen. Durchhalten! Treu bleiben! Wer durchhält bis zum Schluss, der wird selig werden, heißt es (Mt. 24,13).

In unserem Gleichnis gibt es eine phantastische und schier unglaubliche Wendung! Die Knechte warten auf den Herrn, haben alles vorbereitet, der Herr kommt und dann: der Herr dreht den Spieß um!
Er bindet sich eine Schürze um, bittet sie zu Tisch und bedient sie. Jetzt bekommen sie das ganze leckere Essen und die leckeren Getränke. Jetzt dürfen sie sich ausruhen und genießen. Alles wird auf den Kopf gestellt!

„Du ´lädst mich ein und` deckst mir den Tisch selbst vor den Augen meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl, ´um mich zu ehren`,und füllst meinen Becher bis zum Überfließen.“ (Ps. 23,5 NGÜ)  


„Er wird ein Knecht und ich ein Herr; das mag ein Wechsel sein!“ heißt es in dem Kirchenlied „Lobt Gott, ihr Christen alle gleich“. Genau das geschieht hier! Und es hat sich ja bereits im Leben Jesu gezeigt.

„Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele hinzugeben.“ (Mt. 20,28 NGÜ)

Jesus hat in seinem Leben gedient: er hat den Jüngern die Füße gewaschen, hat Hungrige gespeist, Zerbrochene aufgerichtet, Bedrückte von Lasten des Gesetzes befreit, Kranke geheilt, Gebundene befreit.
Er hat durch seinen Tod gedient und uns damit errettet. Und jetzt lesen wir, dass er auch bei seiner Wiederkunft dienen wird, uns den Tisch bereiten wird.

Ist das nicht ein starkes Bild, ein froh machendes Bild?

„Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ (Offb. 21,7 Rev. Elb.)

(Jetzt bin ich seltsamerweise doch beim heutigen Predigttext aus Offb. 21.) Ein Gott der zu Tisch bittet und die Tränen abwischt. Ein Gott, auf dem sich das Warten lohnt.
Der Gedanke an die Heimkehr des Herrn soll keine Furcht auslösen, sondern Zuversicht, Hoffnung, Freude.

Die ersten Christen lebten in einer Naherwartung. Sie dachten die Wiederkunft Christ stünde unmittelbar bevor. Viele haben daher völlig darauf verzichtet sich in der Welt einzurichten, sie haben nicht geheiratet, keine Familie gegründet, manche sogar die Arbeit aufgegeben, keine gesellschaftliche Verantwortung übernommen, nicht an Morgen gedacht, weil sie davon ausgingen, dass es gar kein Morgen mehr geben wird.

Wir wissen es heute besser. Es sind fast zweitausend Jahre vergangen. Wir wissen das wir unser Leben planen müssen, einen Beruf ergreifen, Familie gründen und ernähren, für den Ruhestand vorsorgen usw.

Trotzdem sind wir näher dran an der Wiederkunft als die ersten Christen. (Jetzt bin ich doch bei der Endzeit. Der Wartezeit!) Trotzdem gilt auch uns die Aufforderung die Lenden zu gürten und die Lichter brennen zu lassen.

Aber was heißt es für uns heute, bereit zu sein?

1. Bereit sein heißt die Lichter leuchten lassen

Lasst Eure Lichter leuchten! Das hat für mich etwas mit Reinheit zu tun. Mit verantwortlichem Leben. Mit christlicher Ethik. Mit christlichen Werten. Mit Leben in der Liebe. Nicht so, wie der untreue Knecht, der angefangen hat die anderen zu schlagen und sich zu bereichern.

Das Jahr 2016 geht ja bald zur Neige. Können wir guten Gewissens sagen, dass wir immer bereit waren. Dass uns Jesus nie in Situationen angetroffen hätte, wo wir uns hätten schämen müssen. Ich fürchte, das können wir nicht, wenn wir ehrlich sind. Wie oft waren wir doch lieblos, gleichgültig, egoistisch oder einfach in der Nachfolge lethargisch?! Ich sage das nicht um Druck aufzubauen und ein schlechtes Wissen aufzubauen, sondern einfach als Bestandsaufnahme der Realität, als Bekenntnis. Wir sind immer wieder schwach. Isso. So ist es. Amen. Und dürfen gleichzeitig aus der Gnade leben.

Wir haben gerade eine Gemeindefreizeit hinter uns und haben uns mit den Herausforderungen des Christseins in der zweiten Lebenshälfte beschäftigt, mit den Umgang mit Enttäuschungen und nicht eingetroffenen Erwartungen und Visionen, aber auch mit geistlicher Reife und Weisheit.
Und da haben wir uns z.B. eine Frage gestellt: Wie möchten wir vom Ende her auf unser Leben zurück blicken? Was möchten wir da sehen? Was wäre uns da wichtig? Was soll auf unserer Grabrede gesagt werden?
Und da haben wir gemerkt: da spielen unsere Erfolge und Niederlagen überhaupt keine Rolle mehr. Weder im Beruf noch in geistlichen Diensten. Die Erfolge gehören Gott und die Niederlagen genauso. Was dann noch zählt ist die Liebe. Habe ich mein Leben in der Liebe gelebt? Zu Gott (oder besser in Gott) und zu den Menschen.

„Was für immer bleibt, sind Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei. Aber am größten von ihnen ist die Liebe.“ (1. Kor. 13,3 NGÜ)

2. Bereit sein heißt die Ärmel hochkrempeln

„Alles, was ihr sagt, und alles, was ihr tut, soll im Namen von Jesus, dem Herrn, geschehen, und dankt dabei Gott, dem Vater, durch ihn….Ihr Sklaven… worin auch immer eure Arbeit besteht – tut sie mit ganzer Hingabe, denn ´letztlich` dient ihr nicht Menschen, sondern dem Herrn.“ (Kol. 3, 17.22a.23 NGÜ)

Bereit zu sein, die Ärmel hochgekrempelt, die Lenden gegürtet zu haben, heißt sein Leben, seinen Alltag so zu gestalten, dass es Gott ehrt.

Paulus spricht dies hier den Sklaven zu. Egal welch niedrige Aufgabe, sie auch haben mögen, alles ist wertvoll in den Augen Gottes. Alles kann Dienst für Gott sein. Egal ob ich Hausarbeit mache, in der Altenpflege arbeite, die Straße kehre, Verwaltungsbeamter bin, Lehrer oder Rechtsanwalt oder ob ich predige oder Konfirmanden-Unterricht gebe. Alles ist wertvoll. Alles kann in der rechten Weise zur Ehre Gottes getan werden, wenn ich meine Aufgaben wahrnehme und sie korrekt erledige, wenn ich mir meiner Verantwortung vor Gott und den Menschen bewusst bin und sie annehme. Die geistlichen Tätigkeiten sind dabei nicht wichtiger, als die profanen oder umgekehrt.

Es war Luther, der darauf hinwies, dass jeder Beruf, jede Tätigkeit eine Berufung ist, in der man Gott und den Nächsten dienen kann. Und das die Magd, die die Stube fegt, sogar mehr den Nächsten dient, als der Mönch, der hinter den Klostermauern nur für sein eigenes Heil sorgt.

3. Bereit sein heißt die Schuhe anziehen

„und tragt an den Füßen das Schuhwerk der Bereitschaft, das Evangelium des Friedens zu verbreiten.“ (Eph. 6,15 NGÜ)
Bereit zu sein, heißt neben dem Leben in der Liebe und dem Dienen im Alltag, aber auch das Evangelium weiterzugeben. Hier sind wir alle unterschiedlich. Nicht nur unterschiedlich begabt, sondern auch unterschiedlicher Natur. Was für den einen hundert Möglichkeiten sind, ist für den anderen nicht mal eine einzige Chance.

Ich bin selber kein großer Evangelist und erlebe die Möglichkeiten zum Zeugnis im Alltag oft nur homöopathisch. Ich will hier gar nichts kaschieren. Aber ich denke, wir sollten uns hier öfters daran erinnern und gegenseitig ermutigen. Und etwas was wir alle können ist für bestimmte Menschen, die uns am Herzen liegen oder die Gott uns über den Weg schickt zu beten und auch für Möglichkeiten um bei Ihnen Zeugnis zu sein.

Früher hat man bei den Jahreszahlen noch AD angehängt. Anno Domini. Im Jahr des Herrn. 2016 AD. Eigentlich schade, dass dies nicht mehr üblich ist, denn es hilft einem zu vergegenwärtigen, wem unser Jahr, unsere Zeit, unser Leben gehört und mit wessen Wiederkunft in das Seine wir rechnen sollen.

Wir beten im Vaterunser: Dein Reich komme! Und wir freuen uns, wenn sein Reich durchblitzt in unserem Lebensalltag und in unseren Gemeinden, wenn etwas von seinem Reich sichtbar wird. Seiner Kraft. Seiner Herrlichkeit. Seiner Barmherzigkeit

Aber die endgültige Erhörung wird sein, wenn er kommt um uns in sein Reich zu holen und wir dann mit ihm zu Tisch sitzen werden. Darauf warten wir. Darauf besinnen wir uns auch im Advent. Nicht nur auf die Menschwerdung Gottes, sondern auch auf das zweite Kommen Jesu Christi.

Gustav Heinemann hat einmal gesagt: „Lasst uns der Welt zurufen: Eure Herren gehen, unser Herr aber kommt!“

AMEN.

Dienstag, 1. November 2016

Termine und Aktuelles November 2016

03. - 06.11. Gemeindefreizeit am Hesselberg (mit Bob Hatton, HOPE e.V. und Adolf Gärtner, Coach)

13.11. kein Gottesdienst 

20.11. 10.00 Uhr St. Paul gemeinsamer Gottesdienst mit der JG St. Paul (Predigt Norbert Wohlrab)

27.11. 10.30 Uhr Arche  
Gottesdienst entfällt krankheitsbedingt


 


Arche = Christlicher Kindergarten Arche, Theaterstraße 50
St. Paul = Gemeindehaus, Dr.-Martin-Luther-Platz 1