Dienstag, 23. Mai 2017

Predigt von Norbert Wohlrab (19.05.17)

Das Gleichnis vom vierfältigen Acker


1. Einleitung

Zu Beginn meiner Predigt möchte ich einen Vers lesen, der mir im Lauf der Woche für den heutigen Sonntag wichtig geworden ist:

„Der Sohn Gottes, Jesus Christus…war nicht Ja und Nein, sondern in ihm ist das Ja Wirklichkeit geworden. Denn was immer Gott verheissen hat - in ihm ist das Ja und so auch durch ihn das Amen, damit Gott verherrlicht werde durch uns.“ (2. Kor. 1, 19.20 Zürcher)
In und durch Jesus Christus ist das Ja Gottes zu uns Wirklichkeit geworden. Unsere Erlösung, unsere Rettung, unser Heil. Alles ist auf seinem unabänderlichen Ja gegründet. Gott hat Jesus nicht ans Kreuz geschickt und sagt dann, „Schaun mer mal, ob sie es wert sind“. Er sagt nicht vielleicht, sondern er sagt Ja zu uns!

Aber das ist heute gar nicht mein Predigtthema. Ich möchte heute vielmehr über ein Gleichnis sprechen, dass wir alle mit Sicherheit schon sehr oft gehört haben. Aber ich denke, dass es hin und wieder durchaus sinnvoll ist, sich damit mal wieder neu auseinander-zusetzen. Das Gleichnis vom vierfachen Acker (nach Matthäus).

„1 Später an jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich ans Ufer des Sees, ´um zu lehren`.
2 Die Menschenmenge, die sich um ihn versammelte, war so groß, dass er sich in ein Boot setzte; so konnte er zu der ganzen Menge reden, die am Ufer stand.
3 Er sprach über vieles zu ihnen, und er gebrauchte dazu Gleichnisse.»Hört zu!«, begann er. »Ein Bauer ging aufs Feld, um zu säen.
4 Beim Ausstreuen der Saat fiel einiges auf den Weg. Da kamen die Vögel und pickten es auf.
5 Einiges fiel auf felsigen Boden, der nur von einer dünnen Erdschicht bedeckt war. Weil die Saat dort so wenig Erde hatte, ging sie rasch auf.
6 Als dann aber die Sonne höher stieg, wurden die jungen Pflanzen versengt, und weil sie keine kräftigen Wurzeln hatten, verdorrten sie.
7 Einiges fiel ins Dornengestrüpp, und die Dornbüsche überwucherten und erstickten die Saat.
8 Einiges jedoch fiel auf guten Boden und brachte Frucht – zum Teil hundertfach, zum Teil sechzigfach, zum Teil dreißigfach.
9 Wer Ohren hat, der höre!«
10 Die Jünger kamen zu Jesus und fragten ihn: »Warum verwendest du Gleichnisse, wenn du zu den Leuten redest?«
11 Er antwortete: »Euch ist es ´von Gott` gegeben, die Geheimnisse des Himmelreichs zu verstehen; ihnen ist es nicht gegeben.
12 Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat.
13 Das ist der Grund, warum ich in Gleichnissen zu ihnen rede. Sie sehen und sehen doch nicht, sie hören und hören doch nicht und verstehen auch nichts.
14 An ihnen erfüllt sich die Prophezeiung Jesajas:›Hört zu – ihr werdet doch nichts verstehen. Seht hin – ihr werdet doch nichts erkennen.
15 Denn das Herz dieses Volkes ist verstockt, ihre Ohren sind verstopft, und ihre Augen halten sie geschlossen. Sie wollen mit ihren Augen nichts sehen, mit ihren Ohren nichts hören und mit ihrem Herz nichts verstehen und wollen nicht umkehren, sodass ich sie heilen könnte.‹
16 Ihr aber seid glücklich zu preisen! Denn eure Augen sehen, und eure Ohren hören.
17 Ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte sehnten sich danach, zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen; sie sehnten sich danach, zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.«
18 »Ich will euch nun das Gleichnis vom Bauern erklären, der die Saat ausstreut.
19 Wenn jemand die Botschaft vom Himmelreich hört und nicht versteht, ist es wie mit der Saat, die auf den Weg fällt. Der Böse kommt und raubt, was ins Herz dieses Menschen gesät worden ist.
20 Ein anderer Teil der Saat fällt auf felsigen Boden. Das bedeutet: Jemand hört das Wort und nimmt es sofort mit Freuden auf,
21 aber er ist ein unbeständiger Mensch, eine Pflanze ohne Wurzeln. Sobald er wegen des Wortes in Bedrängnis gerät oder sogar verfolgt wird, wendet er sich wieder davon ab.
22 Wieder ein anderer Teil der Saat fällt ins Dornengestrüpp. Das bedeutet: Jemand hört das Wort, doch die Sorgen dieser Welt und die Verlockungen des Reichtums ersticken es, und es bleibt ohne Frucht.
23 Ein Teil der Saat jedoch fällt auf guten Boden. Das bedeutet: Jemand hört das Wort und versteht es und bringt dann auch Frucht – einer hundertfach, ein anderer sechzigfach und wieder ein anderer dreißigfach.«“ (Mt. 13, 3-23 NGÜ)


Wir haben diesen Text wohl schon viele Male gehört oder gelesen. Wahrscheinlich zum ersten Mal bereits im Kindergottesdienst. Und eigentlich ist er ja auch klar, Jesus legt ihn ja sogar selbst aus: die einen sind offen für das Evangelium, die anderen nicht; die einen vollziehen eine vollständige Lebensübergabe und bringen Frucht, die anderen nur eine oberflächliche und fallen früher oder später wieder vom Glauben ab.

Da wir heute hier sitzen, sind wir noch dabei und gehören zu den Guten. Also brauchen wir uns damit eigentlich gar nicht mehr auseinandersetzen. Der Text gilt nur für andere. Punkt, aus, fertig, Schluss. Eigentlich könnte ich mich gleich wieder setzen und wir können schon etwas früher mit dem Grillen anfangen.

Es ist doch angenehm, wenn es Texte in der Bibel gibt, wo man guten Gewissens sagen kann, die habe ich schon abgehandelt, über diese Stufe auf meiner geistlichen Entwicklungsleiter bin ich schon drüber hinweg.

Aber könnte es nicht sein, dass der Text trotzdem - zumindest theoretisch - noch ein paar Aussagen enthält, die uns was zu sagen haben?

Vergegenwärtigen wir uns zunächst noch einmal die Ausgangssituation:
Jesus spricht hier zu einer großen Volksmenge. Er war mittlerweile ein Star geworden und die Leute wollten ihn sehen und hören. Weil es zu viele waren, ist er ins Boot  gestiegen um besser zu der Menge sprechen zu können. Möglicherweise hat er genau diese Menschenmenge vor Augen, als er zu ihnen quasi über sie selbst spricht.
Jesus gebraucht ein Bild des damaligen Ackerbaus. Ein Bild dass jeder kennt. Es war damals üblich zunächst den Samen auszuwerfen und danach erst den Boden umzugraben. Heute macht das in umgekehrter Reihenfolge. Dadurch fiel automatisch ein Teil des Samens auf hart gepressten Boden, wo beispielsweise ein Trampelpfad entstanden ist, manches auf Steine und manches unter das Unkraut, die Dornen, die nicht entfernt worden sind. Dieser Vorgang war allen bekannt, die geistliche Bedeutung verstanden sie jedoch nicht.

Wenn man dieses Gleichnis hört, kann man verschiedene Positionen einnehmen. Nehmen wir zunächst mal die Position des Ackerbodens ein. Was könnte uns dieser Text heute noch sagen? Was könnte er uns raten oder wovor könnte er uns warnen?


2. Unser Herz

Ich denke, dieser Text sagt uns als Ackerboden: Achte auf deine Beschaffenheit! Achte auf dein Herz!

Der Ackerboden in diesem Gleichnis ist ja unser Herz, sagt Jesus (V. 19) und da merkt man, dass Gleichnisse nicht bis ins letzte Detail übertragbar sind. Gleichnisse haben eine Hauptaussage, die Nebenstränge können nicht davon losgelöst übertragen werden, denn in der Natur kann ein Acker nichts dafür, ob er gut oder schlecht, weich oder hart, ertragreich oder steinig ist.
Aber wir, wir können schon etwas dafür, wie unser Herz ist. Wir können etwas dafür ob unser Herz „aufrichtig und bereitwillig“ (Lk. 8,15 NGÜ) ist, wie es im Paralltext bei Lukas heißt ist.
Aufrichtig und bereitwillig. Wem gegenüber? Der Botschaft vom Himmelreich Gottes!

Wenn die Bibel vom Herzens des Menschen spricht, meint sie ja damit nicht das Körperorgan, sondern das Herz als Sitz des geistigen und seelischen Leben des Menschen. Das Herz als das Zentrum des Denkens, Wollens und Fühlens und des Erkennens.

Erkannt wird mit dem Herzen, es ist ein ganzheitliches Erkennen, kein rein vernunftgemäßes logisches Nachvollziehen von Wahrheiten.

Ich kann mich noch erinnern, dass ich eines nachts, kurz nach meiner Bekehrung in den Sternenhimmel geschaut habe und mir bei diesem Anblick sofort die Gegenwart und die Liebe Gottes bewusst war. Ohne dieses Erkennen im Herzen, wären es nur Sterne und Sternhaufen und Galaxien gewesen, „die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat“.

„Denn mit dem Herzen wird geglaubt zur Gerechtigkeit“ (Röm. 10,10a Rev. Elb.)

Aber das Herz wird auch dargestellt als Quelle des Begehrens und zwar sowohl im Negativen, wie auch im Positiven. Es heißt ja zum einen:

„Habe deine Lust am Herrn, so wird er dir geben, was dein Herz begehrt.“ (Ps. 37,4 Rev. Elb.)

und zum anderen

„das Sinnen des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an.“ (1. Mo. 8,21 Rev. Elb.)

Das menschliche Herz ist ein Schlachtfeld. Hier tobt ein Kampf zwischen guten und schlechten Wünschen, zwischen der Liebe und dem Streben nach Gott auf der einen und Egoismus und Selbstsucht auf der anderen Seite. Daher werden wir ermahnt:

„Mehr als alles, was man sonst bewahrt, behüte dein Herz! Denn in ihm entspringt die Quelle des Lebens.“ (Spr. 4,23 Rev. Elb)

Aber, wir haben bei diesem Kampf einen entscheidenden Vorteil. Es steht nicht 1:1. Denn es gibt noch jmd. in unserem Herzen:

„der uns auch versiegelt hat und das Unterpfand des Geistes in unsere Herzen gegeben hat.“ (2. Kor. 1,22)

Der Heilige Geist und damit Gott selbst, wohnt in unserem Herzen. Und so können wir diesen Kampf positiv gestalten. Er kreiert ein neues Herz in uns, das nach Gottes Willen leben möchte. Und das sind gute Voraussetzungen um den Ackerboden unseres Herzens zu bearbeiten.

Wie sieht es jetzt aber in diesem Gleichnis mit den unterschiedlichen Böden/Herzen aus?


3. Die ersten beiden Ackerböden

Lasst uns zunächst einmal einen Blick auf die ersten beiden Herzens-Typen werfen:

1. Die Desinteressierten oder Hartherzigen

Hier fällt die Saat auf den Wegrand. Sie wird zertreten oder von den Vögeln aufgefressen. Jesus erklärt, dass das Gehörte vom Teufel wieder geraubt wird. Es sind Menschen, die das Evangelium zwar hören, aber kein Interesse daran haben, ihm keine Relevanz beimessen.
Ich denke, solche Menschen kennen wir alle und diejenigen unter uns, die nicht von Kindesbeinen an durchgehend geglaubt haben, waren auch mal solche Menschen.

Ich kann mich noch sehr gut an die ersten Bekehrungsversuche erinnern, als man mich so mit 15/16 in eine Jugendevangelisation schleppte und ich dem Ganzen überhaupt nichts abgewinnen konnte. Nicht, dass ich bewusst atheistisch gewesen wäre oder den christlichen Glauben kategorisch abgelehnt hätte, es hat mich nur einfach überhaupt nicht interessiert. Ich konnte keine Relevanz zu meinem Leben herstellen. Sünde. Erlösung. Das war doch alles völlig übertrieben. Ich hatte keinen guten Boden. Der Boden war noch nicht reif.

2. Die Oberflächlichen oder Wetterwenderischen

Die Saat fällt auf felsigen Boden, sie geht zwar schnell auf, aber sie vertrocknet mangels Feuchtigkeit, sie bildet keine Wurzeln aus. Es sind Menschen, die sich in Zeiten der Anfechtung wieder vom Glauben abwenden. Der Glaube wird nicht mit der nötigen Nahrung versorgt.
Das Wort Gottes, das Gebet, die Gemeinschaft wird nicht in der nötigen Art und Weise gepflegt, so dass dem Glaube der Saft abgedreht wird. Und so ist der Mensch den Schwierigkeiten schutzlos ausgeliefert und kann nichts dagegen setzen.
Es sind Menschen, deren Quelle eher der „Rat der Gottlosen“ ist und die nicht an den „Wasserbächen“ des Wortes Gottes gepflanzt sind, wie es im Psalm 1 beschrieben wird.
Es ist wichtig wo meine Quellen sind. Gerade für junge Christen, denen es noch an Stabilität und Fundament mangelt, ist es wichtig, dass der Glaube genährt wird.

Ich habe Menschen erlebt, die sehr schnell begeistert waren. Während ich ein paar Jahre bearbeitet werden musste, ging bei denen alles ruck zuck: Evangelium gehört, sich be-kehrt, begeistert, nach kurzer Zeit getauft und als sie dann gemerkt haben, dass die Nachfolge mit manchen Konsequenzen verbunden ist, das man bspw. nicht alle paar Tage in einem anderen Bett aufwachen sollte (ich rede jetzt nicht von Hotelbetten), haben sie sich schnell wieder dafür entschieden ihren alten Lebensstil zu pflegen, in dem Gott keine Rolle mehr gespielt hat.

Bevor wir uns den nächsten beiden Menschentypen bzw. Ackerböden zuwenden, schauen wir uns an von welcher Art eigentlich die Saat ist.


4. Die Saat vom Reich Gottes

Jesus beschriebt hier die Saat als das Wort Gottes, als die Botschaft vom Himmelreich, vom Reich Gottes. Aus unserer Perspektive bedeutet das in erster Linie das Evangelium, die gute Nachricht von der Errettung durch den Glauben an Jesus Christus. Und so sagt Jesus ja auch:

„Bei einigen, die es hören, ist es wie mit der Saat, die auf den Weg fällt. Der Teufel kommt und nimmt das Wort wieder aus ihrem Herzen weg, sodass sie nicht glauben und daher auch nicht gerettet werden.“ (Lk. 8,12 NGÜ)

Nicht glauben und daher auch nicht gerettet werden. Und so interpretieren wir das ganze Gleichnis ausschließlich hinsichtlich Bekehrung und Errettung. Das ist ja auch das alles Entscheidende.
Wenn wir uns aber auch andere Reich Gottes-Gleichnisse anschauen (z.B. vom Sauerteig oder vom Senfkorn, Lk. 13, 18-21), dann entdecken wir dort neben der vertikalen Dimension in die Gottes-Beziehung hinein, auch noch eine horizontale Dimension der Frucht, eine ausgestaltende, eine lebensdurchdringende Dimension.

Und so sagt Jesus bspw. zu den Jüngern: „Euch ist es von Gott gegeben, die Geheim-nisse des Reiches Gottes zu wissen“ (Lk. 8,10a Rev.Elb.).

Die Geheimnisse des Reiches Gottes:
Ein Reich, dessen König Jesus Christus, der verheißene Messias ist.
Ein  Reich, das unsichtbar und übernatürlich ist, das nicht von dieser Welt ist .
Ein Reich, das innerlich und zwischenmenschlich, aber trotzdem gegenwärtig ist.
Ein Reich das gleichzeitig im Werden, in der Gegenwart, wie auch in der Zukunft ist.
Ein Reich, das sich in Kraft zeigt, in Heilung und Befreiung und im kindlichen Glauben empfangen wird.
Ein Reich, dessen Zugang man sich nicht erarbeiten kann, dessen Zugehörigkeit man sich nicht verdienen kann.
Ein Reich, dass eine eigene Ethik, einen eigenen Lebensstil, eine eigene Gerechtigkeit, hat, nach der zu allererst gestrebt werden soll (Mt. 6,33).

Jesus verdeutlicht immer wieder, das im Reich Gottes andere Maßstäbe gelten:
So streiten sich die Jünger bspw. darum wer der Größte unter ihnen ist. Jesus hält dagegen wer der Größte sein will, der soll der Sklave oder der Diener der anderen sein (Mt. 20, 26.27) und gibt selbst durch sein Leben das passende Beispiel.
Es geht im Reich Gottes nicht um Ehre und Anerkennung, es geht um Dienen und Demut. Eine völlig neue Ethik.

Oder Jesus verdeutlicht, dass es nicht darum gehen soll Reichtum anzustreben, sondern vielmehr Schätze im Himmel zu sammeln, bspw. durch einen Lebensstil des Gebens und der Großzügigkeit.

Oder Jesus verdeutlicht, dass es nicht auf die eigene Stärke ankommt. Im Geistlichen und im Irdischen. Man braucht sich nicht durch religiöse Übungen und Erfolge bei Gott etwas verdienen. Und auch in den natürlichen Belangen darf man all seine Bedürfnisse Gott anvertrauen und seine Hilfe erbitten. Ein Leben im Glauben und Vertrauen. Auch das ist eine neue Verhaltensethik.

Dies alles ist ein Teil der Saat, die Jesus aussät.

Und es wird uns dabei deutlich, dass es um ein sehr ganzheitliches und umfassendes Christsein geht.
Ich glaube ein Leben nach der Gerechtigkeit des Reiches Gottes enthält noch viel mehr radikale Freisetzungsqualität, als wir schon erkannt haben.


5. Die letzten beiden Ackerböden

Und jetzt schließe ich meinen Kreis und komme zu den letzten beiden Ackerböden.

3. Die Geteilten und Halbherzigen

Die Dornen verdrängen die Saat. Die Dornen sind die Sorgen des Lebens, Verlockungen des Reichtums und Freuden dieser Welt (Lk. 8,14).

Die Saat kann lange Zeit wachsen, es ist ein langandauernder Kampf, sie konkurriert mit den Dornen, aber sie kann sich nicht entfalten und das Wachstum von Frucht wird verhindert. Sie wird minimiert und erstickt irgendwann. Letztlich wird das Leben in der Gerech-tigkeit und in der Kraft und in der Qualität des Reiches Gottes nicht freigesetzt.
In anderen Bildern ist davon die Rede, dass der Feind dieses Unkraut sät. Er ist es der uns daran hindern will, dass sich göttliche Lebensqualität freisetzt.

Dies ist die Stelle, die uns zuruft: Achtet auf Euer Herz!
Denn kennen wir das nicht alle? Wer hat denn keine Sorgen? Oder wer bringt sie immer voller Vertrauen zu Gott? Oder wer möchte nicht finanziell ausgesorgt haben?

Wir alle laufen Gefahr uns zu verstricken in Sorgen, Materiellem oder uns irgendwelchen Dingen des Lebens in einem Umfang hinzugeben, der alles geistliche Leben erstickt.

Es muss mich ja gar nicht ganz ersticken - ich gehe mal jetzt über das Gleichnis hinaus -, aber es kann die Frucht minimieren.

Zum Schluss noch :

4. Die Fruchtbaren

Die das Wort hören und umsetzen, die es festhalten, es bewahren, sich nicht entmutigen lassen, ausharren. Das sind die Eigenschaften des fruchtbringenden Herzens. Da ist der richtige Boden. Er ist an den Wasserbächen gepflanzt. Hier kann die Pflanze ihre Wurzeln ausstrecken und Frucht bringen. 30fach, 60fach, 100fach. Leben wird verändert, Charakter werden geformt, Herzen werden heil, neues Leben entsteht, Menschen finden zu Jesus.

Wollen wir nicht alle so sein?
Aber: wir sind es auch! Wir bringen Frucht, wenn wir in Jesus bleiben. So hat er es angelegt. Wir brauchen sie nicht aus uns herauszuquetschen. Wir müssen nicht Luft anhalten und pressen.

„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun.“ (Joh. 15,5 Rev. Elb).

Aber wir erleben es auch, dass wir uns immer wieder mal von ihm weg orientieren und wir es dann nötig haben, dass unser Herz neu „aufgeweicht“, neu „ausgerichtet werden muss, neu „aufgemischt“ sozusagen. Dass unsere Lebensausrichtung neu zentriert werden muss, unser Vertrauen neu gestärkt werden muss. Dann dürfen wir Jesus bitten, dass er unser Herz wieder neu verändert und belebt.

In dieser Spannung, zwischen den beiden aber findet unsere Nachfolge statt.


6. Der Sämann

Ich habe eingangs gesagt, man kann bei diesem Gleichnis verschiedene Positionen einnehmen. Man kann beispielsweise auch die Position des Sämanns einnehmen. Denn nicht nur Jesus hat ausgesät, auch später die Jünger und Apostel haben gesät. Und auch unser aller Auftrag ist es ja die gute Nachricht zu säen.

Der Säman im Gleichnis weiß, dass ein großer Teil seiner Saat daneben geht. Das ist für ihn völlig normal. Er sät aber trotzdem, weil er weiß, dass trotzdem sehr viel Frucht entsteht. 30fach, 60fach oder 100fach. Er lässt sich nicht entmutigen. Es ist gar kein Grund zur Entmutigung vorhanden.

Ich weiß nicht mehr, wieviele vergebliche Versuche man unternommen hat um mich zu bekehren. Aber man hat nicht aufgegeben und erfreulicherweise auch jahrelang für mich gebetet und so hat es dann irgendwann doch noch geklappt. Auch Gebet ist eine lebens-verändernde Frucht. Manchmal muss der Weg oder das Herz erst frei gebetet werden.

Manchmal lassen wir uns zu früh entmutigen. Das Gleichnis vom Sämann soll uns auch Mut machen in unseren Bemühungen um andere Menschen nicht nachzulassen und darauf zu vertrauen, dass der Same seine Frucht bringen wird.


AMEN.

Montag, 1. Mai 2017

Termine und Aktuelles Mai 2017

07.05. 10.30 Uhr Arche Gottesdienst (Predigt Harald Schmidt, Gideons)

14.05. kein Gottesdienst

21.05. 10.00 Uhr LKG gemeinsamer Gottesdienst mit der LKG (Predigt Norbert Wohlrab)

28.05. 10.00 Uhr St. Paul gemeinsamer Gottesdienst mit der JG St. Paul (Predigt Pfr. Michael Wolf)





LKG = Landeskirchliche Gemeinschaft, Gebhardtstraße 19
Arche = Christlicher Kindergarten Arche, Theaterstraße 50
St. Paul = Gemeindehaus, Dr.-Martin-Luther-Platz 1

Sonntag, 23. April 2017

Predigt von Norbert Wohlrab (23.04.2017)

Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg
 

Ich möchte heute mit Euch ein Gleichnis Jesu anschauen, und zwar das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg. Jesus erzählte Gleichnisse, die einen Alltagsbezug hatten, die zur Lebenswelt der Menschen gehörten, um den Jüngern geistliche Zusammenhänge verständlich zu machen. Manche von diesen Gleichnissen haben auch heute noch eine erstaunliche Aktualität. Ich lese das Gleichnis in der neuen Luther-Übersetzung:

„1 Denn das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter anzuwerben für seinen Weinberg.
2 Und als er mit den Arbeitern einig wurde über einen Silbergroschen als Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg.
3 Und er ging aus um die dritte Stunde und sah andere auf dem Markt müßig stehen
4 und sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist.
5 Und sie gingen hin. Abermals ging er aus um die sechste und um die neunte Stunde und tat dasselbe.
6 Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere stehen und sprach zu ihnen: Was steht ihr den ganzen Tag müßig da?
7 Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand angeworben. Er sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg.
8 Als es nun Abend wurde, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und gib ihnen den Lohn und fang an bei den letzten bis zu den ersten.
9 Da kamen, die um die elfte Stunde angeworben waren, und jeder empfing seinen Silbergroschen.
10 Als aber die Ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und sie empfingen auch ein jeder seinen Silbergroschen.
11 Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn
12 und sprachen: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und die Hitze getragen haben.
13 Er antwortete aber und sagte zu einem von ihnen: Mein Freund, ich tu dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir einig geworden über einen Silbergroschen?
14 Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem Letzten dasselbe geben wie dir.
15 Oder habe ich nicht Macht zu tun, was ich will, mit dem, was mein ist? Siehst du darum scheel, weil ich so gütig bin?
16 So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.“
(Mt. 20, 1-16 LUT2017)


Die Ausgangslage in diesem Gleichnis ist uns bekannt: Arbeitslosigkeit. Vielleicht war nicht jeder von uns schon mal arbeitslos, aber wir können uns alle die Situation von arbeitslosen Menschen gut vorstellen. Vielleicht haben wir ja welche in unserem Bekanntenkreis.
Heute ist man als Arbeitsloser in unserem Land ja einigermaßen abgesichert. Wenn man lange genug einbezahlt hat, dann bekommt man für sechs Monate bis zu zwei Jahre Arbeitslosengeld, das sind rund zwei Drittel des letzten Einkommens. Damit kann man einigermaßen klar kommen. Blöd wird es danach, wenn der Anspruch verbraucht ist und man immer noch keinen neuen Job hat und dann nur noch Arbeitslosengeld 2 (Hartz IV) bekommt. Mit dann rund 400,- Euro kann man eigentlich nur noch überleben, aber nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Würde geht anders!


Früher gab es bei den Arbeitsämtern eine Tagesjobvermittlung. Wer früh aufstand und keine harte Arbeit scheute, konnte dort manchmal für einen Tag einen Job bekommen, bei dem er am Abend cash ausbezahlt wurde und sich so sein Arbeitslosengeld aufstocken konnte. In der Nähe vom Plärrer in Nürnberg gab es auch eine Ecke, an der Arbeitslose standen, die ihre Arbeitsleistung anboten. Das war dann die illegale Variante. Soweit ich weiß gibt es heute beides nicht mehr.

So eine ähnliche Situation finden wir hier in diesem Gleichnis. Arbeitslose stehen herum und warten auf eine Möglichkeit sich Geld zu verdienen. Der Unterschied ist, dass sie keine soziale Absicherung haben. Hier geht es nicht um ein Zubrot zur staatlichen Unterstützung. Hier geht es um die blanke Existenz. Hier geht es darum einen Job zu finden, mit dem sie ihre Frau, Kinder und vielleicht die alten Eltern ernähren können.
Der Silbergroschen (oder Denar) entspricht etwa 40 Cent und war damals der wohl übliche Tageslohn. Ein Lohn, der ausgereicht hat um seine Familie zu ernähren.

Auch heute noch gibt es in Jerusalem eine Ecke nahe des Damaskustores, wo jeden Morgen arbeitslose Palästinenser stehen und auf potenzielle Arbeitgeber (meist Israelis) warten.

Gleich am Anfang lesen wir etwas Ungewöhnliches in diesem Gleichnis. Die erste von vielen Ungewöhnlichkeiten: der Hausherr, der Weinbergbesitzer geht früh am Morgen selbst los um Arbeiter für die Arbeit im Weinberg (vermutlich zur Weinernte oder zum Schneiden der Stöcke) einzustellen. Normalerweise mach dies sein Verwalter oder ein Vorarbeiter. Aber hier geht der Hausherr selbst los. Er scheint ihm selbst immens wichtig zu sein. Ein kleines aber wichtiges Detail, wenn wir später zur Auslegung kommen.

Der Hausherr geht sogar öfters los, nicht nur einmal. Er geht am Beginn des Tages und zur dritten, sechsten, neunten und schließlich noch zur elften Stunde los um immer wieder Nachschub an Arbeitskräften zu holen. Der Tag war damals in zwölf Stunden von 6 bis 18 Uhr eingeteilt, d.h. also zwischen  6 und 17 Uhr war er immer wieder, insgesamt fünfmal unterwegs um neue Arbeiter anzuheuern. Während er mit den ersten noch einen konkreten Lohn vereinbart hat, heißt es bei den anderen nur, dass sie bekommen sollten „was recht ist“.

Als es dann an die Bezahlung geht (jetzt kommt übrigens der Verwalter ins Spiel), geschieht das nächste Unglaubliche: die Letzten werden als Erstes bezahlt. Die, die am allerwenigsten gearbeitet haben, bekommen ihren Lohn zuerst. Sauber, na gut, meinetwegen, aber dann bekommen sie auch noch einen ganzen Silbergroschen. Sie bekommen den Lohn, der denen versprochen worden ist, die früh morgens angefangen haben im Weinberg zu schuften. Und die denken sich jetzt wahrscheinlich: „Wahnsinn, wenn die schon einen Silbergroschen bekommen, wieviel bekommen denn dann wir?! Die haben eine Stunde gearbeitet und wir zwölf Stunden. Wow, dann bekommen wir sicherlich mehr als nur den einen Silbergroschen.“

Und dann die große Ernüchterung, sie bekommen auch nur einen Silbergroschen. Genau wie ausgemacht. Die nächste Unglaublichkeit! Der Weinbergbesitzer gibt jedem gleich viel Lohn. Jeder bekommt einen Denar, egal wie lange er im Weinberg geschuftet hat. Das passt nicht in das Denken der Arbeiter, in ihre Wirklichkeit hinein und das passt auch nicht in unsere Wirklichkeit hinein. Unser Empfinden von Gerechtigkeit ist doch etwas anders. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, aber doch nicht gleicher Lohn für ungleiche Arbeit!

Diese provozierende Situation wäre leicht zu vermeiden gewesen, wenn in umgekehrter Reihenfolge ausbezahlt worden wäre. Die ersten hätten ihren Denar eingesackt und schwups wären sie weg gewesen. Sie hätte gar nicht mitbekommen, dass die anderen genauso viel bekommen. Aber so wurden sie bewusst damit konfrontiert.

Und jetzt geschieht etwas mit den „gefühlt Übervorteilten“. Sie ärgern sich, sie fühlen sich ungerecht behandelt, sie werden neidisch. Sozialneid! Aber nicht auf die Starken, nicht auf die Reichen und Schönen, sondern auf die Schwachen. Denn die, die länger auf dem Markt standen und auf Arbeit gewartet haben, waren gleichzeitig auch die, die schwächer waren, weniger kräftig, alt und krank, die auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht mehr so ganz mithalten konnten.
Die, die unten stehen, die kräftigen Tagelöhner, suchen sich solche, die noch weiter unten stehen. Ein auch heute weit verbreitetes gesellschaftliches Phänomen: „Die Hartz4ler, die Ausländer, die Asylanten usw. sind doch alles nur Sozialschmarotzer, die auf Kosten meiner Steuergelder leben.“ So oder so ähnlich wird von vielen gedacht.

„Bist du neidisch, weil ich so gütig bin?“ fragt sie der Besitzer. Diejenigen, die länger auf dem Markt herum standen, brauchen aber auch genauso viel zum Überleben, wie alle anderen auch. Sie brauchen auch ihre 40 Cent am Tag um ausreichend Essen zu kaufen. Was hätte ihnen der Lohn für eine Stunde Arbeit genutzt? Es hätte vielleicht gelangt für einen halben Laib Brot und ein Bier zum Frust runterspülen, aber nicht für den Tagesbedarf einer ganzen Familie.

Der Gutsbesitzer dagegen ist gütig, er will dass alle genug zum Leben haben. Unabhängig von ihrer Leistung. Er ist nicht auf Gewinnmaximierung aus, sondern maximiert seine Güte. Heute würde man vielleicht sagen, er praktiziert eine Form von solidarischer Ökonomie.

Dieses Vergütungsmodell passt nicht in den Kapitalismus. Da hätte der Weinbauer vielleicht nur die Hälfte vom vereinbarten Lohn ausbezahlt, weil sie angeblich zu langsam gearbeitet hätten.
Und das passt auch nicht in die soziale Marktwirtschaft. Da hätte es trotzdem nur einen gewerkschaftlich fest vereinbarten Stundenlohn gegeben. Und aus dem Überfluss etwas für die Kranken und Schwachen.
Und im Kommunismus hätten wahrscheinlich alle gleich wenig bekommen,weil es nichts zum Verteilen gegeben hätte.
Nein, dieses Verhalten ist einzigartig: jeder bekommt den gleichen Tageslohn damit jeder genug zum Leben hat.

Nun, es ist ein Gleichnis, eine Geschichte und hat nicht den Anspruch Grundlage für ein Wirtschaftssystem zu sein. Ein ähnliches Modell finden wir in der Bibel meines Wissens nur noch in der Jerusalemer Urgemeinde, die in einer Art Kommunismus zusammen gelebt haben. Dort heißt es:

„Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam.“
(Apg. 4,32 LUT2017)


Aber auch das Jerusalemer Modell war nicht erfolgreich, denn wenige Jahre darauf, mussten Spenden bei den neuen christlichen Gemeinden für die Gemeinde in Jerusalem gesammelt werden, da diese mittlerweile verarmt war. Auch hier gilt: die Beschreibung beinhaltet erstmal keine Aufforderung genauso zu handeln.
Aber interessant ist doch, wenn man sich anschaut in welchen Kontext das Gleichnis vom Weinberg eingebettet ist. Es folgt nämlich direkt auf die Begegnung des reichen Jünglings mit Jesus, an dessen Ende Jesus feststellt:

„Wahrlich, ich sage euch: Ein Reicher wird schwer ins Himmelreich kommen.“ (Mt. 19, 23b LUT 2017)

Dies sollten wir doch bedenken. Sollte das Weinbergmodell doch ein Vorbild für unser Leben sein?  Auf jeden Fall eine Aufforderung zum Großzügigsein.
Es verdeutlicht auf jeden Fall: unser Gerechtigkeitsempfinden, unsere Vorstellung von Gerechtigkeit ist anders, als Gottes Gerechtigkeitsempfinden.
Es gibt wohl unterschiedliche „Gerechtigkeiten“. Unterschiedliche Vorstellungen und Bezugssysteme. Gerechtigkeit nach Leistung und eine Gerechtigkeit der Verteilung, eine Art ausgleichende Gerechtigkeit.

In unserem Land gibt es ja mittlerweile einen Mindestlohn, der aber immer noch so niedrig ist, dass derjenige, dessen Einkommen sich immer auf diesem Niveau bewegt, im Rentenalter auf gesetzliche Unterstützung angewiesen sein wird. Nach dem Motto: „Hättest was Gescheites gelernt, würdest mehr verdienen, hättest mehr Rente.“ Das klingt eher nach Sozialdarwinismus als nach Gerechtigkeit.

Die Schweiz dagegen hat ein 3-Säulen-Rentensystem, in dem alle - also auch die Selbständigen und Beamten - den gleichen Prozentsatz in die erste Säule einzahlen, aus der dann später eine Grundrente für alle finanziert wird. D.h., dass jmd. der gut verdient u. U. mehr einzahlen muss als er später als Maximalrente aus dieser Säule herausbekommen kann. Das ist eine Form von ausgleichender Gerechtigkeit und die Schweizer scheinen damit überhaupt kein Problem zu haben.

Es gibt darüberhinaus heute vielfältige Formen von Solidarökonomie nicht nur in Lateinamerika: Genossenschaften, Fair Trade-Produkte, FoodCoops, Tauschbörsen, OpenSource-Programme usw. sind solche Modelle.

Den Arbeitern in unserem Gleichnis geht es um Lohn für Leistung. Den Gutsherrn geht es darum, dass es ihnen gut geht, dass sie ein genügendes Auskommen haben. Im übertragenen Sinne: wir sind leistungsorientiert, Gott ist Gnade-orientiert.

Damit sind wir jetzt bei der Auslegung. Im Eingang steht. „Denn mit dem Reich der Himmel ist es“. Es geht hier um dass Reich Gottes, um das Himmelreich Gottes, um die Königsherrschaft Gottes.
Also zum einen um das Leben in der Ewigkeit bei Gott und zum anderen, aber auch schon um das Himmelreich unter uns, dort wo die Herrschaft Gottes, wo das Reich Gottes in Kraft und Liebe und Gerechtigkeit und Frieden schon in die Gegenwart hinein wirkt und durch uns sichtbar wird.

„Denn sehet, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“ (Lk 17,21 LUT2017)

Gott ist der Weinbergbesitzer, der alle, die in seinem Weinberg kommen, belohnen will. Er will, dass alle genug haben, keiner soll Mangel leiden. Jeder soll ewiges Leben empfangen:
unabhängig davon, ob man als Jude geboren wurde und damit zum auserwählten Volk gehört, zu dem Volk, das das Gesetz hatte oder erst als Heide das Evangelium gehört hatte,
unabhängig davon, ob man sich sein ganzes Leben lang als Pharisäer besondere religiöse Pflichten auferlegt hatte oder ob man als einfacher jüdischer Mensch gelebt hatte,
unabhängig davon, ob man sich als kleines Kind oder als Greis dafür entschieden hat Jesus nachzufolgen,
und auch unabhängig davon, ob man viel oder wenig dazu beigetragen hat. Jeder bekommt gleich.

Gott macht keinen Unterschied. Jesus sagt, dass die Ersten die Letzten sein werden, das also kein Vorteil darin besteht Jude oder Pharisäer zu sein. Dies ist die im historischen Kontext erste Zielgruppe des Gleichnis. Er will ihnen vermitteln, dass sie nicht besser, nicht wichtiger sind als die anderen, als die Sünder.

Es geht nicht um Leistung, es geht nicht um Gerechtigkeit durch Werke, sondern einzig allein um die Güte des Weinbergbesitzers, um die Gnade die Gott gerne schenkt. Es gibt keine Fleißkärtchen und kein Punktesystem für einen Platz im Himmelreich.

Eigentlich geht es in diesem Gleichnis ja gar nicht um die Arbeiter, sondern um den gütigen Weinbergbesitzer. Um sein Mitgefühl mit den verlorenen Menschen. Er ist es, der sich aktiv um sie bemüht, sich aktiv auf die Suche begibt um sie in den Weinberg zu holen. Er selbst bringt die gute Nachricht: „Hey, komm in den Weinberg. Dort ist noch Platz für Dich.“ Er enthält seinen Lohn, seine Güte, seine Gnade niemanden vor. Jeder bekommt sie. Er ist ähnlich wie der Vater im Gleichnis vom verlorenen Sohn.

Aber es geht auch darum Teil des Weinbergs zu sein. Die Tagelöhner haben Arbeit ge-sucht. Übertragen bedeutet dies, sie haben nach Gott gesucht. Ich flutsche nicht einfach so in das Reich Gottes hinein. Ich muss es wollen. Ich muss Erlösung wollen. Ich muss Jesus wollen.

Es gilt immer noch was Jesus sagt:

„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Joh 14,6 LUT2017)

Die Annahme des Jobs entspricht der Annahme des Erlösungsangebots Jesu. Durch ihn werde ich Teil bzw. bekomme ich Anteil am Himmelreich Gottes.

Genauso gilt es aber auch in ihm zu bleiben. Bis zum Schluss in ihm zu bleiben. Den Lauf zu voll-enden, wie Paulus es ausdrückt (2. Tim. 4,7). Es sind leider nicht wenige, die sich im Laufe ihres Lebens von ihrem christlichen Glauben abgewendet haben um irgend-welchen obskuren Theorien anzuhängen.

Hören wir im Lutherjahr, was Martin Luther zur Auslegung des Gleichnisses zu sagen hat:

„So ist nu dies die Summa dieses Evangeliums: kein Mensch ist so hoch noch wird je so hoch kommen, dass er nicht zu fürchten hat, er werde der allerniedrigste. Und umgekehrt, niemand liegt so tief oder kann so tief fallen, der nicht hoffen könnte, dass er der höchste würde. Denn hier ist alles Verdienst aufgehoben und wird allein Gottes Güte gepriesen und ist fest beschlossen: der erste soll der letzte, der letzte soll der erste sein. Damit dass er spricht: der erste soll der letzte sein, nimmt er dir alle Vermessenheit und verbietet dir, dass du dich über keine Hure erhebst, auch wenn du Abraham, David, Petrus oder Paulus wärst. Damit aber dass er spricht: der letzte soll der erste sein, verwehrt er dir alle Verzweiflung und gebietet dir, dass du dich unter keinen Heiligen stellst, auch wenn du Pilatus, Herodes und Sodom und Gomorrha wärst.  Denn gleichwie wir keine Ursache haben, uns zu vermessen, so haben wir auch keine Ursache, zu verzweifeln. Durch dies Evangelium wird die Mittelstraße befestigt und bewahrt, dass man nicht nach dem Pfennig sehe, sondern auf die Güte des Hausvaters, welche gleich und von einerlei Art ist über Hohe und Niedrige, über die ersten und die letzten, über Heilige und über Sünder. Und keiner kann sich derselben mehr rühmen oder trösten oder vermessen als der andre.“
(D Martin Luthers Evangelien-Auslegung, Zweiter Teil, Das Matthäus Evangelium (Kap. 3 - 25), S. 681 ff.)


Gott ruft uns durch dieses Gleichnis in seine Nachfolge. Es ist unsere Entscheidung, wie wir darauf reagieren. Für die Tagelöhner war es die Möglichkeit zum Überleben. Und auch wir wissen, nur in Jesus ist das Leben.

Jesus sagt: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und volle Genüge. (Joh. 10,10 LUT2017) 


Und Gott ist es, der es uns zuspricht, unabhängig von jeglicher Vorgeschichte. Egal, ob wir unser Leben lang gefrömmelt haben oder überall reingetappt sind, wo es nur geht. Wir dürfen durch Jesus Teil haben am Himmelreich Gottes.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

AMEN.

Samstag, 1. April 2017

Termine und Aktuelles April 2017

02.04. 10.30 Uhr Hausgottesdienste

09.04. kein Gottesdienst

16.04. Ostern Gottesdienst entfällt

23.04. 10.30 Uhr Arche Gottesdienst (Predigt Norbert Wohlrab, Thema: "Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg"))

30.04. kein Gottesdienst



LKG = Landeskirchliche Gemeinschaft, Gebhardtstraße 19
Arche = Christlicher Kindergarten Arche, Theaterstraße 50
St. Paul = Gemeindehaus, Dr.-Martin-Luther-Platz 1

Vorschau 06/2017 und darüberhinaus......

04.06. Pfingsten Gemeindewanderung 
11.06. 10.30 Uhr LKG Gottesdienst mit anschl. Essen (Predigt Norbert Wohlrab)
18.06. kein Gottesdienst 
25.06. 10.30 Uhr Hausgottesdienste

02.07. kein Gottesdienst 
09.07. 11.00 Uhr Fürther Freiheit Reformations-Gottesdienst aller evangelischen Gemeinden (Predigt Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm)
16.07. 10.30 Uhr Arche Gottesdienst (Predigt Birgit Oechsle)
23.07. 10.30 Uhr LKG Gottesdienst mit anschl. Essen (Predigt Sabine Auerochs)
30.07. kein Gottesdienst

22.10. 10.00 St. Paul gemeinsamer Gottesdienst mit der JG St. Paul (Predigt Norbert Wohlrab)

02.-05.11. Gemeindefreizeit in Selb-Silberbach


Termine teilweise noch unter Vorbehalt! Änderungen noch möglich! 

LKG = Landeskirchliche Gemeinschaft, Gebhardtstraße 19
Arche = Christlicher Kindergarten Arche, Theaterstraße 50
St. Paul = Gemeindehaus, Dr.-Martin-Luther-Platz 1

Freitag, 3. März 2017

Termine und Aktuelles März 2017

05.03. 10.30 Uhr Hausgottesdienste

12.03. kein Gottesdienst


19.03. 10.30 Uhr Arche Gottesdienst (Zeugnis & Gebet)


26.03. 10.30 Uhr LKG Gottesdienst mit anschl. Essen (Predigt
Augustin Bosson)




LKG = Landeskirchliche Gemeinschaft, Gebhardtstraße 19
Arche = Christlicher Kindergarten Arche, Theaterstraße 50

Mittwoch, 1. Februar 2017

Termine und Aktuelles Februar 2017

05.02. 10.30 Uhr Hausgottesdienste

12.02. 10.30 Uhr LKG Gottesdienst mit anschl. Essen (Predigt Heinz Trompeter, Missionsdienst e.V., Thema: "Geduld")


19.02. 10.30 Uhr Arche Gottesdienst (Predigt Christiane Schönberger, JG St. Paul)


26.02. kein Gottesdienst




LKG = Landeskirchliche Gemeinschaft, Gebhardtstraße 19
Arche = Christlicher Kindergarten Arche, Theaterstraße 50